Seit ca. 3 Jahren laufe ich nicht mehr nur noch vorwärts oder rückwärts durch die Gegend, sondern verbringe auch immer mehr Zeit auf dem Rennrad oder auf dem MTB. Auf letzterem habe ich mich auch schon beim 24 h Rennen am Alfsee (2013 & 2014), beim Bike-Festival in Willingen und bei der night-on-bike in Radevormwald mit der Konkurrenz gemessen. Es war also für mich nur eine Frage der Zeit auch einmal ein Rennradrennen zu bestreiten.
Da mein Trainingspartner im Rose Team Münsterland fährt, konnte ich als Gastfahrer für das Team beim Sparkassen Münsterland Giro fahren. Ich entschied mich natürlich für die längste Strecke von 140 km. Wie hätte es bei mir auch anders sein sollen ;-).

(Foto: Rose Team Münsterland)

Meine „Vorbereitung“ für den Giro verlief leider nicht so optimal. Drei Wochen vor dem Rennen lief ich meinen ersten Rückwärtsmarathon in Münster und eine Woche vorher lief ich kostümiert den Berlin Marathon. Beide Marathons hinterließen ihre Spuren. Von „frischen Beinen“ konnte auf jeden Fall nicht die Rede sein. Da Rennradrennen bekanntlich nicht ungefährlich sind, war mein einziges Ziel heile durchzukommen. Die Strecke kannte ich schon, da ich beim Streckentest am 06.09.14 mitfuhr. Damals fuhr ich gemütlich mit ca. 100 anderen Radsportbegeisterten im Kennlerntempo die Strecke ab. Der Schnitt lag damals bei ca. 30 km/h. Mit diesem Tempo konnte ich beim Giro jedoch nicht rechnen.

Der Startschuss erfolgte um 9.00 Uhr auf der Mendelstraße. Dank der Anmeldung über das Rose Team durfte ich vorne im ersten Startblock starten. Ich wollte versuchen so lange es geht in der ersten Gruppe mitzufahren. Daraus wurde allerdings schon früh nichts. Dank meiner Nervosität beim Start kam ich natürlich nicht direkt in die Klickpedalen. Auf Grund meiner Unerfahrenheit beging ich gleich zu Beginn einen weiteren Fehler. Auf der Startgeraden fuhr ich auf der rechten Straßenseite. Am Ende der Straße tauchte dann jedoch ein Kreisverkehr mit einer vorgeschalteten Verkehrsinsel auf. Da ich zu weit rechts fuhr und auch nicht so recht wusste, was ich machen sollte und keinen Unfall riskieren wollte, fuhr ich den Kreisverkehr rechtsherum. Auf diese dämliche Idee kamen auch nur einige wenige andere Fahrer. Das Hauptfeld fuhr natürlich den linken kürzeren Weg und so verlor ich gleich zu Beginn des Rennens den Anschluss an die Spitze verloren. Das hatte ich mir vorher anders vorgestellt. Zu Beginn des Rennens war das Feld zwar noch sehr dicht beieinander. Ich wollte jedoch nichts riskieren und ließ mich vom Feld mittragen, anstatt nach vorne durchzufahren.

In etwa bei Kilometer 18 gab es dann in der ersten kleinen Abfahrt in der Nähe der Leopoldshöhe die erste Schrecksekunde. Ein Fahrer verbremste sich vor mir in einer Linkskurve und stürzte von links einmal quer über Straße. Gott sei Dank hatte ich genügend Abstand zu ihm. Gleiches galt für meine Mitfahrerinnen und Mitfahrer, die ihm alle ausweichen konnten und es zu keinem Massensturz kam.
Bei dem ersten Anstieg zum Longinusturm hoch merkte ich dann auch, dass der Umgangston bei den Radfahrern doch ein wenig rauer im Vergleich zu dem bei den Läufern ist. Für einige war dieser kleine münsterländische Hügel anscheinend schon zu viel und sie wurden immer langsamer oder blieben teilweise fast ganz stehen. Eigentlich macht das ja auch nichts. Die Straße war allerdings so klein, dass maximal 5 Fahrer nebeneinander fahren konnten und die langsamen Fahrer die ganze Gruppe aufhielten. Das sorgte natürlich nicht gerade für Freude bei meinen Mitfahrerinnen und Mitfahrern.

Nach den ersten Anstiegen hat es sich dann so ergeben, dass sich eine zu große Lücke zu der vor mir fahrenden Gruppe ergeben hat. Plötzlich war ich mehr oder weniger alleine und musste mich dem Fahrtwind stellen. Zum Glück gesellten sich noch zwei weitere Fahrer hinzu und wir versuchten wieder zu der vor uns fahrenden Gruppe aufzuschließen. Das gelang uns leider nicht. Das war aber auch kein Problem, denn die nächste Gruppe kam schon von hinten. In der Gruppe lief es dann auch endlich runder. Die Gruppe umfasste ca. 25 Fahrerinnen und Fahrer und fuhr ein hohes Tempo, was ich aber sehr gut mitfahren konnte. Endlich hatte ich das Gefühl im Rennen angekommen zu sein.

Das Gefühl war leider nur von kurzer Dauer, denn von hinten nährte sich eine erste große Gruppe aus dem zweiten Starterfeld. Nun umfasste die Gruppe ca. 100 Fahrerinnen und Fahrer, was das ganze wieder ziemlich unentspannter gemacht hat. Die Ortsdurchfahrten wurden hektischer und die Cholerikerinnen und Choleriker meldeten sich wieder zu Wort und meckerten über andere Radfahrerinnen und Radfahrer was das Zeug hielt.

Der Rest des Rennens ist eigentlich kurz erzählt. Ich konnte meine Gruppe am Coesfelder Berg, bei der kniffligen Ortsdurchfahrt durch Coesfeld und am Schöppinger Berg halten. Auf den letzten Metern vor dem Schloßplatz ließ ich es dann eher ruhig angehen und fing nicht an noch um ein paar Plätze zu sprinten.

Am Ende zählen für die meisten natürlich wieder nur die Zahlen. Für die 142 km habe ich 3:31:35 h gebraucht. Das entspricht exakt einen Schnitt von 40 km/h. Ich habe damit den 244. Gesamtplatz und den 39. Platz meiner Altersklasse belegt. Es ist also noch Luft nach oben 😉

danielpugge.de

(Foto: danielpugge.de)

Insgesamt war der Giro Münsterland mal eine gute neue Erfahrung. Auf Dauer werde ich aber wohl lieber beim Laufen oder bei Langstreckenrennen bleiben. Dort kann man die Strecke viel intensiver wahrnehmen und sich mehr von den Zuschauern puschen lassen. Außerdem sind es beim Laufen nicht so sehr die äußeren Umstände (welche Gruppe, Windschatten, Stütze, etc.), die ein Rennen beeinflussen. Da nur eine Woche zwischen dem Berlin Marathon und dem Radrennen waren und die Zeiten ähnlich waren, kann ich doch sagen, dass ich den Marathon viel intensiver wahrnehmen konnte.

Zum Abschluss möchte ich mich noch beim dem Rose Team Münsterland bedanken, das mich als Gastfahrer aufgenommen hat: gerne wieder 😉

Hier findet ihr die Strecke: http://www.gpsies.com/map.do?fileId=pgyxkuyxaaigdscj

Im Anschluss an das Rennen schaute ich mir dann natürlich noch das Profirennen an. Hier einige Eindrücke:

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