Das Jahr 2014 war für mich in sportlicher Hinsicht ein sehr aufregendes und erfolgreiches Jahr. Ich hatte mich vielen neuen Herausforderungen gestellt: 24h MTB-Rennen im 2er Team, 14h MTB Rennen als Einzelfahrer bei der night-on-bike.de, Welmeisterschaft im Rückwärtslaufen im Halbmarathon und schließlich mein erster Rückwärtsmarathon in Münster. Bei diesen Veranstaltungen zeigte sich, dass die gesteckten Ziele nicht zu hoch waren und ich sie zu meiner vollsten Zufriedenheit erfüllen konnte. Das liegt sicherlich auch daran, dass ich mich nicht auf die Zeit, sondern auf das Ankommen konzentriert habe.
Eigentlich hätten diese Highlights für dieses Jahr auch ausreichen können, aber zum Ende des Jahres wollte ich es noch einmal richtig wissen.
Bei den Marathons in Hamburg und Berlin wurde mir klar, dass ein Marathon nicht mehr die größte läuferische Herausforderung für mich ist. Man könnte mich glaube ich mittlerweile mitten in der Nacht wecken und mit mir einen Marathon in einer nicht allzu schlechten Zeit laufen. (Ich hoffe ja noch, dass irgendwann jemand diese Aussage mal überprüfen möchte ;-). Ich liebe diese außergewöhnlichen Läufe.).

Es passte also perfekt, dass beim 3. Steinhart500 in Steinfurt zum ersten Mal nicht nur ein Marathon sondern auch ein Ultralauf angeboten wurde. Wenn schon einmal so ein schöner Ultralauf direkt vor der Tür statt findet, blieb mir natürlich nichts anders übrig als diesen auszuprobieren.
Am letzten Tag der Online-Anmeldung (30.10) stand ich ein wenig früher auf, um um 6 Uhr meinen „Formtest“ für den Steinhart zu machen. Bevor ich mich endgültig anmeldete, wollte ich ausprobieren, wie sich 30 km aktuell anfühlen. Da mir der morgendliche Lauf auf der Prommenade und bei aufgehender Sonne am Aasee sehr leicht fiel, meldete ich mich direkt abends für den Steinhart666 an. Auch wenn ich mich nicht speziell auf den Lauf vorbereitet hatte, lief und fuhr ich auf dem Rennrad in den letzten Wochen genügend Kilometer, so dass ich mir sicher sein konnte zumindestens den Marathon durchlaufen zu können. Ein neues Trainingshighlight hatte ich nach dem Münster Marathon sowieso für mich entdeckt. Zwischen meiner Wohnung in Münster und meinem Elternhaus in Emsdetten liegt in etwa ein Halbmarathon. So kam es jetzt schon häufiger vor, dass ich an einem Tag rückwärts von Münster nach Emsdetten gelaufen bin und am nächsten Tag vorwärts zurück. Das ergibt ein ganzheitliches und ausgeglichenes Training 😉 Außerdem ist es bestes Training für den Kopf, denn die Strecke am Max-Clemens-Kanal geht die ganze Zeit nur geradeaus. Deutlich mehr Abwechselung hatte ich jedoch in Steinfurt.

Steinhart500

Der Steinhart500 wurde 2014 zum dritten Mal veranstaltet und ist die Folgeveranstaltung des Steinfurt Marathons. Es konnten Strecken von 16 km (1 Runde), 29 km (2 Runden), 42 km (Marathon, 3 Runden) und 55 km (Ultra, 4 Runden) gelaufen werden. Die Veranstaltung heißt „Steinhart500“, weil bei der Marathondistanz ca. 500 Hm zu überwinden sind. Bei dem Ultra „Steinhart666“ sind es etwa 666 Hm. Neben den vier auszuwählenden Streckenlängen konnte man sich auch für ein Flexticket anmelden und nach jeder Runde entscheiden, ob man noch eine läuft oder ins Ziel abbiegt. Entsprechend der Rundenanzahl wird man dann in der jeweiligen Wertung gelistet.

Die Farbe der Startnummer war von der gewählten Streckenlänge abhängig. Als Ultraläufer bekam ich eine orange Startnummer. Mit der Startnummer vor der Brust, konnte ich nicht mehr verbergen, was ich vor hatte. Jetzt gab es kein zurück mehr.
Der Start war in zwei Gruppen aufgeteilt. Zunächst starteten um 09.30 Uhr die Marathon- und die Ultraläufer und die Läufer mit einem Flexticket. Um 10.30 Uhr gingen dann die 16- und die 29-Kilometer Läufer auf die Strecke. Vor dem Start sprachen mich noch einige Läufer auf meinem Rückwärtsmarathon in Münster an. Durch die Präsenz in den Medien, haben viele von dem Abenteuer erfahren. Das hat mich natürlich vor dem Start noch einmal zusätzlich motiviert. Ich versicherte natürlich, dass ich diesmal allerdings die Strecke vorwärts in Angriff nehmen werde. Ein Läufer erzählte mir am Start, dass er bei einem Marathon am Ende auch schon einmal rückwärts gelaufen sei, weil er beim Vorwärtslaufen zu große Schmerzen hatte. Rückwärtslaufen ginge immer. Im Laufe des Rennens erinnerte ich mich noch einmal an diesen Satz.

(Fotograf: Alex Beckgerd)

Der Start verzögerte sich jedoch ein wenig, weil der Torbogen durch einen kurzen Stromausfall die Luft verlor. Diese kleine Panne hat die schöne familiäre Atmosphäre am Start jedoch noch einmal hervorgehoben. Mit 3 Minuten Verspätung gingen wir dann zunächst auf eine kleine Einführungsrunde, die wir nur am Anfang durchlaufen mussten. Nach ca. 2,5 km kamen wir wieder am Start vorbei, wo einige ZuschauerInnen standen und ein Vereinskollege als Sprecher die Läufer ansagte. Natürlich ließ auch er es sich nicht nehmen, mich als den Läufer anzukündigen, der schon einen Marathon rückwärts gelaufen ist. Diesen Ruf werde ich wohl so schnell nicht mehr los.

Weitere Punkte mit vielen Zuschauer gab es bis auf die Verfplegungsstellen nicht auf der Strecke. Vereinzelt kamen jedoch auf den Wegen Spaziergänger oder Sonntagsradfahrer entgegen. Das war jedoch auch nicht weiter schlimm, weil man stattdessen durch eine sehr schöne Natur in Steinfurt und Umgebung gelaufen ist. Die Strecke führte zunächst vorbei am Bagno Richtung Borghorst. Die Burgsteinfurter Straße war für den Lauf komplett gesperrt. Hier war eine Verpflegungsstelle aufgebaut, an der ich auch die Eigenverpflegung zu mir nehmen konnte. Bevor es von der Burgsteinfurter Straße wieder in den Wald ging, musste die leicht ansteigende Straße überwunden werden. In Borghorst angekommen war dann ein kleiner Teil der Strecke auf  Asphalt zu laufen. Dann wartete der schönste Teil des Laufes. Der Buchenberg musste einmal überlaufen werden. Da sich der Anstieg aber nur über 500 Meter hinzog, konnte man den Berg sehr gut laufen ohne dass man aus dem Ryhtmus kam. Anschließend ging es wieder an der Verfplegungsstelle auf der Burgsteinfurter Straße vorbei und danach verlief die Strecke zurück nach Steinfurt. Auf einem kleinen Teilstück kam es dann zum Begnungsverkehr mit den Läufern, die den Buchenberg noch vor sich hatten. Das sorgte natürlich für Abwechselung und man konnte den einen oder anderen bekannten Läufer grüßen. Im Bagnopark angekommen wartete das nächste Highlight. Vor der Konzertgalerie musste noch eine kleine Schleife gelaufen werden. Hier konnte man sehen, wer noch alles hinter einem lief. Außerdem war eine kleine Musikanlage mit klassischer Musik aufgebaut. Das passte super zu diesem Ort. Vor dem Bagnocafe wartete der nächste Stimmungspunkt. Hier ertönte aber diesmal klassiche basslastige Anfeuerrungsmusik und eine Hand voll Leute sorgte für die angemessene Stimmung. Bis zum Ende der Runde führte die Strecke am Bagno und am Golfplatz vorbei. Kurz vor dem Ende einer Runde begnete man dann wieder auf ca. 100 Metern Läufern, die die nächste Runde anfingen.

(Fotograf: Alex Beckgerd)

In der ersten Runde ging es mir darum nicht allzuschnell loszulaufen, um nicht am Anfang das ganze Pulver zu verschießen. Ich hatte mir vorher als Grobziel ein Finish unter 5 h gesetzt. Dazu hätte ich im Durchschnitt ca. 5:30 Min. pro km laufen müssen. Da ich nicht wusste, wie ich mich nach der eigentlichen Marathondistanz von 42 km noch fühlen würde, wollte ich mit einem Schnitt von 5 Min. pro km beginnen. Das zwischen Theorie und Praxis häufig Welten liegen, zeigte sich auch mal wieder bei diesem Lauf. Ich lief von Beginn an einen 4:45 Min pro km Schnitt. Da ich mich dabei jedoch sehr gut fühlte, drosselte ich nicht das Tempo.
Die erste Runde verlief ansonsten sehr gut und hin und wieder konnte ich mich mit anderen Läufern über die Leidenschaft des Laufens unterhalten 😉 Da insgesamt aber nicht so viele Läufer im Vergleich zu den großen Stadtmarathons dabei waren, lief ich die meiste Zeit alleine.
Bei der zweiten Runde war das allerdings nicht mehr der Fall. Auf dieser Runde war wieder mehr los. Die eine Stunde später startenden 16km und 29km Läufer waren jetzt auch auf der Strecke. Diese musste ich zum größten Teils überholen und konnte so den einen oder anderen aus  dem Verein begrüßen. Allerdings kostete es auch ein wenig Kraft, weil man sich zum Überholen entweder lautstark bemerkbar machen oder durch das Gras am Rand des Weges laufen musste. Als ich dann wieder beim Start- und Ziel vorbeikam, bogen einige Läufer Richtung Ziel ab und ich lief die dritte Runde zu Beginn wieder alleine. Beim Start- und Zielbereich stellte mich der Sprecher wieder als Rückwärtsläufer vor. Anschließend erfuhr ich von meiner Mutter, die die 29 km lief, dass auch sie als die Mutter von dem Rückwärtsläufer vorgestellt wurde;-)

km Gesamtzeit Durchschnittspace (min pro km)
10 00:47:13 0 – 10 km: 04:43
HM 1:39:00 10 km – HM: 04:39
30 2:21:06 HM – 30 km: 04:43
Marathon 3:20:00 30 km – Marathon: 04:49
50 3:58:29 Marathon – 50 km: 04:56
50 – 55 km 4:22:34 50 – 55 km: 04:49

Bei der dritten Runde fing ich dann auch ein kleines Stück tatsächlich rückwärts zu laufen. Das Knie machte sich ein bisschen bemerkbar und da dachte ich mir, dass ich doch für ein wenig Entlastung beim Rückwärtslaufen sorgen könnte. So lief ich dann ca. 300 m in der dirtten und vierten Runde an der Burgsteinfurter Straße rückwärts berg hoch. Das tat sehr gut.
Ungefähr bei der Mitte der dritten Runde fand ich dann noch einen Vereinskollegen, der sich für die 29 km angemeldet hatte. Die dritte Runde lief ich mit ihm zusammen zu Ende. Als er ins Ziel bog, hatte ich meinen Marathon durch. Die Zeit zeigte hier ca. 3:20. Das ist sicherlich keine schlechte Marathonzeit. Ich war gespannt was jetzt kam. Der typische Mann mit dem Hammer kam auch bei mir ca. bei km 33 und machte sich mit schweren Beinen bemerkbar. Hatte ich ansonsten immer nach 42 km das Ziel erreicht, musste ich jetzt noch 13 weitere Kilometer laufen. Erstaunlicherweise lief es aber dennoch gut. Trotz schwerer Beine, konnte ich mein Tempo halten und auch das letzte Mal den Buchenberg ohne Probleme überlaufen. Auf der letzten Runde bedankte ich mich noch bei allen Helfern, ohne die eine solche Veranstaltung nicht möglch wäre.
Das ganze Rennen wusste ich nicht, auf welchem Platz ich war. Das war mir auch eigentlich egal. Ich wollte nur ankommen. Kurz vor dem Ziel überholte ich noch den Drittplatzierten, was mir aber gar nicht bewusst war. Im Ziel angekommen, gab es keine Medaille, sondern einen Ziegelstein mit dem Logo des Steinhart: ein sehr schönes Andenken für einen super Lauf. Als Gesamtdritter bekam ich schließlich noch einen Ziegelstein in Bronze.


Dieser Lauf ist absolut zu empfehlen. Der vierte Steinhart findet am 08.11.15 statt.

Wie immer gibt es hier noch die Strecke einzusehen. Außerdem kann ich euch den Artikel von laufreport.de zum Steinhart empfehlen. Die Ergebnisse findet ihr hier.