Nur zwei Wochen nach meinem ersten Rückwärtslaufmarathon in Münster wollte ich die 42,195 km schon wieder in Angriff nehmen. Ich hatte von www.runme.de einen Startplatz für den Berlin Marathon gewonnen. Diesen konnte ich natürlich nicht verfallen lassen.
Zum Ausgleich für Münster lief ich den Marathon aber diesmal vorwärts. Nach ca. 300 rückwärts-Kilometern in den letzten Monaten war das natürlich wieder eine gute neue Herausforderung. Zwischen den beiden Marathons lief ich dann auch mal wieder längere Strecken vorwärts, was mir schon fast fremd vorkam.
Damit es aber in Berlin trotzdem nicht langweilig wurde, entschied ich mich kostümiert zu laufen. So packte ich am Samstag abend nicht nur die üblichen Laufutensilien ein, sondern auch das Hühnchen-Kostüm, mit dem ich auch schon 2011 in Berlin gelaufen war.

Am späten Samstag abend machte ich mich zusammen mit Peter, der mich beim Münster Marathon begleitet hatte, auf den Weg nach Berlin. Da ich am Samstag noch arbeiten musste, wurde es ein Marathon-Kurz-Trip. Wir kamen gegen Mitternacht in Berlin an und pennten im Auto. Peters Auto war groß genug, so dass wir beide auf Luftmatratzen pennen konnten. Den Komfort eines gemütlichen Hotelzimmers hatten wir damit zwar nicht, aber das hätte sich für die wenigen Stunden sowieso nicht gelohnt, denn der Wecker klingelte bereits um 05.30 Uhr. Da ich vor lauter Vorfreude und Anspannung sowieso nicht viel geschlafen hatte, freute ich mich als endlich der Wecker klingelte.

Nach den üblichen Vorbereitungen ging es dann für uns zur „Notstartnummern“-Ausgabe. Da wir direkt zur Öffnung um 06.30 Uhr da waren, bekamen wir unsere Nummern schnell. Nun hatten wir jedoch noch 2 1/2 Stunden bis zum Start zu überbrücken. Dafür bot sich für uns im Start- und Zielbereich ein schönes Bild. Die Sonne ging über den Reichstagskuppel auf und das Wiese war noch in einem sanften Nebel eingetaucht.

Die anfängliche Ruhe im Start- und Zielbereich verschwand jedoch schnell, denn wir waren ja schließlich nicht die einzigen, die durch Berlin laufen wollten.
Bevor wir jedoch an der Startlinie standen, mussten wir noch ein paar Meter machen. Die erste Aufgabe bestand darin im großzügigen Start- und Zielbereich unsere Kleiderbeutelabgabe zu finden. So kam es dann auch, dass ich gefühlt vor dem Start schon 3-4 Kilometer hinter mir hatte.

Im Startbereich angekommen freute ich mich über weitere Gleichgesinnte, die den Marathon kostümiert liefen. Der „klatschende Franzosen-Clown“, den ich schon bei einigen anderen Marathons gesehen hatte, war eben so am Start wie Asterix und Obelix. Am Start bot sich wieder ein beeindruckendes Bild einer großen Masse von begeisterten Läuferinnen und Läufern.

Um 08.45 fiel dann endlich der Startschuss und es ging los auf eine 42 km lange Sightseeing Tour durch Berlin. Mein angepeiltes 5 Minuten Tempo je Kilometer konnte ich dann doch nicht einhalten, denn ich ließ mich von der Masse mitziehen und lief eher einen 4:45er Schnitt. Auf der Strecke erblickte ich dann noch einen Läufer, der sich als König verkleidet hatte.

Mein Kostüm erzielte auf der Strecke wieder den erwarteten Effekt. Die zahlreichen Zuschauer freuten sich über die Abwechselung in der großen Läufertraube. Die Kinder hatten sichtlich ihren Spaß an meinem Kostüm und lachten mich an bzw. häufiger eher aus ;-). Neben den „Hühnchen“-Rufen gab es auch viele Zuschauer, die mich mit Hühnergegacker anfeuerten. Animiert von diesen Zurufen ließ ich mich wieder dazu verleiten auch die entsprechenden Bewegungen dazu zumachen (s. http://vimeo.com/107414863, ca. 1:22 Min.). Einziger Nachteil an dem Kostüm war jedoch, dass es leider nicht atmungsaktiv ist und ich ganz gut ins Schwitzen kam. Das kann man jedoch auch als guten Trainingseffekt auslegen 😉

Ein Vorteil war jedoch wiederum, dass ich noch was für meine Fremdsprachenkenntnisse tun konnte. Nun weiß ich was Huhn in den verschiedestens Sprachen heißt. Das Publikum ist nämlich genauso wie das Läuferfeld sehr international.

(Fotos: flitz-piepen.de)

Der Marathonlauf an sich verlief ohne weitere Probleme. Der Halbmarathonbogen war schnell erreicht und auch auf der zweiten Hälfte lief es sehr gut. Zwar wurden die Kilometer ein wenig langsamer und die Beine schwerer, aber ich musste keine Gehpausen einlegen und konnte durchlaufen. Mittlerweile habe ich das Gefühl, dass je mehr Marathons ich laufe, mir die Strecke immer kürzer vorkommt. Vielleicht wird es sich ja wieder ändern, wenn ich mal wieder ambitionierter laufe und meine 6 Jahre alte Beszeit von 3:01:36 verbessern möchte.

Ca. 300 Meter vor dem Ziel ging es noch unter dem tobenden Applaus der Zuschauer durch das Brandenburger Tor. Diesen Moment wollte ich natürlich noch festhalten und ließ von einem Streckenposten ein Foto von mir machen. Nach dem Brandenburger Tor waren es dann noch ca. 300 Meter bis in Ziel. Auf der Zielgerade legte ich dann noch einen kleinen Jump für die Fotografen hin und es kam dabei folgendes schönes Foto (Fotograf: Norbert Wilhelmi) heraus.
Den Zielbogen erreichte ich schließlich nach 3:24:56. Damit habe ich meinen 13. Marathon gefinished. Ich freu mich schon wieder auf den nächsten 😉
Hier findet ihr noch das offiziele Ergebnis und hier noch ein paar Videos.

Die Strecke des Berlin Marathons findet ihr hier.