Aus meinen letzten Beiträgen konnte man schon herauslesen, dass ich im nächsten Jahr großes vor habe. Ich möchte im Juni 2017 am Double-Ultra-Triathlon in meiner Heimatstadt Emsdetten teilnehmen. Letztes Jahr war ich als Helfer von der Stimmung begeistert (s. Bericht). Jetzt möchte ich mir die Distanz selber antun.  Konkret bedeutet es: 7,6 km Schwimmen, 360 km Radfahren und im Anschluss zwei Marathons laufen (84,2 km). Da der Start um 7 Uhr morgens ist, werde ich die zwei Marathons größtenteils in der Nacht laufen müssen. Um auszuprobieren, wie ich auf die Belastung in der Nacht reagiere, hatte ich mir den Hermann-Nightrun in Bielefeld ausgesucht.

Schon die Hinfahrt hatte etwas besonders. Gegen 19 Uhr machte ich mich in der Abenddämmerung auf dem Weg von Münster nach Bielefeld. Die Landstraßen waren mit tiefen Nebel bedeckt. Die Vorfreude auf diesen außergewöhnlichen Lauf stieg an.

Wie der Name es schon vermuten lässt, wird beim Hermannnightrun auf der Originalstrecke des bekannten 31 km langen Hermannslauf gelaufen, der am Hermannsdenkmal in Detmold startet und die ca. 6000 Starter bis nach Bielefeld führt. Die Läufer beim Nightrun konnten die Strecke einmal, zweimal oder dreimal laufen. Ich entschied mich für die Variante in der Mitte. Ein bisschen Vernunft sickert bei mir also manchmal doch noch durch. Es standen also 66 km durch die Nacht für mich auf dem Programm. Der Lauf ist ein Einladungslauf. Es ist also kein offizieller Lauf, sondern man erkundet über eine E-Mail an den Veranstalter sein Interesse und wird dann eingeladen. Das Teilnehmerfeld war entsprechend überschaubar. Organisator war der begeisterte Ultraläufer Jan. Bei ihm hatte ich im Rahmen des Wappenweg-Ultra 2015 meinen ersten 100 km Lauf gemacht. Schon damals war ich von der liebevollen Organisation begeistert. Auch beim Hermann-Nightrun empfing mich Jan herzlich in seiner kleinen Garage in einem Bielefelder Hinterhof. Zusammen mit 10 weiteren Ultraläufern machte ich mich um 22 Uhr auf den Weg.

Für mich war die Besonderheit nicht nur das Laufen bei Nacht sondern auch die 1500 Höhenmeter, die mir bevor standen. Normalerweise komme ich im flachen Münsterland vielleicht insgesamt in 2 Monaten auf so viele Höhenmeter beim Laufen. So ging es also bereits auf den ersten Metern direkt berghoch. Die erste Anhöhe erreichten wir am Johannisberg. Von hier hatten wir einen wunderschönen Blick über Bielefeld. Der Lauf hatte sich jetzt schon gelohnt. Nachdem wir den Stadtrand verließen ging es endlich in den Wald. Wir schalteten unsere Stirnlampen an, die uns den Weg erleuchteten. Es hatte sich an der „Spitze“ eine kleine Gruppe von 5 Läufern gebildet. Der größte Teil stammte aus Bielefeld und Umgebung. Sie kannten die Strecke auswendig, so dass ich nicht mit meiner Uhr navigieren musste. Aufs Verlaufen in der Nacht hatte ich ohnehin keine Lust.

Wie es in (Ultra-)Läuferkreisen so üblich ist, gingen die Gespräche beim Laufen größtenteils – Überraschung – ums Laufen. Man erzählte sich von vergangenen Läufen und blickte in die Zukunft, was man noch für Läufe geplant hatte. Ein bisschen hat es teilweise etwas von einem Quartett. Jeder versucht den anderen zu überbieten. Ausschließen möchte ich mich natürlich davon nicht. Ich spiele das Spiel gerne mit.

Am ersten Verpflegungspunkt nach 16 km in Oerlinghausen empfing uns Jan mit warmen Tee und anderen Leckereien, die das Läuferherz höher schlugen ließen. Gerne hätten wir uns auch noch länger in der gemütlichen Runde im Wald aufgehalten, aber wir hatten ja noch ein paar Kilometer vor uns. Auf dem nächsten Teilstück spaltete sich die Gruppe. Fortan lief ich mit einem Läufer alleine vorne weg. Zu gewinnen gab es jedoch sowieso nichts. Das etwas zügigere Tempo passte mir jedoch besser. Einige Anstiege spazierten wir jedoch hoch, um Kraft zu sparen. Das kam mir sehr entgegen, denn auch das Gehen muss ich für den Double Ultra Triathlon trainieren, denn ich glaube nicht, dass ich beide Marathons am Ende komplett durchjoggen kann.

 

 

3 km vor dem Hermannsdenkmal wartete der nächste Verpflegungspunkt auf uns. Der Tisch war für uns mit Salzkartoffenln und anderen Knabbereien mitten im Wald hergerichtet. Im Schein der Kerzen kam schon fast ein wenig romantische Stimmung auf. Mittlerweile war es 1:30 Uhr. Erstaunlicherweise machte mir die Müdigkeit wenig zu schaffen. Schweren Herzens mussten wir uns aber auch von diesem Verpflegungspunkt nach einigen Minuten verabschieden. Die letzten Meter zum Hermannsdenkmal hatten es noch einmal in sich. Es ging nur berghoch. Das hellerleuchtete Hermannsdenkmal erreichten wir schließlich gegen 2 Uhr. Ohne lange zu überlegen, machten wir uns jedoch sofort wieder auf den Rückweg.

Auf den Rückweg hatten wir weniger Höhenmeter zu bewältigen. Das kam mir sehr entgegen, denn meine Füße schmerzten schon ein wenig. Ich war es einfach nicht gewohnt nur auf Waldwegen zu laufen. Mit jedem Kilometer tat jeder Schritt auf den kleinen Steinchen mehr weh. Wenn es anfängt weh zu tun, macht es jedoch als Ultraläufer erst so richtig Spaß. Es beginnt der Kampf zwischen den Gedanken und dem Körper. Meisten siegen die Gedanken.

Die Marathonmarke erreichten wir gegen 3 Uhr. Die Müdigkeit war nach wie vor kein Problem. Wir verringerten ein wenig unser Tempo, was aber auch nicht weiter schlimm war. Mein Mitläufer ermutigte mich ruhig schneller zu laufen. Ich solle keine Rücksicht auf ihn neben. Da ich aber keine Lust hatte alleine durch den Wald zu laufen, blieb ich bei ihm.

Auch auf dem Rückweg herrschte im Wald eine außergewöhnliche Stimmung. Der Vollmond sorgte für eine helle Nacht. Es war angenehme 10 Grad und es regnete nicht. Der Wald war gespenstisch ruhig. Hin und wieder erblickten wir die leuchtenden Augen von aufgescheuchten Rehen.

Nach 66 km und 7:48 h (reine Bewegungszeit: 7:03 h) hatten wir dann schließlich das Ziel erreicht. In Jans Garage wartete seine Frau, die uns mit heißer Brühe, Kuchen und anderen Leckereien versorgte. Ich war froh auch diese Herausforderung heile überstanden zu haben. Es war sicherlich nicht mein letzter Nachtlauf und schon gar nicht mein letzter Lauf bei Jan. Vielen Dank für diese tolle Organisation.

Alle Interessierten finden hier wieder meine Strava Aktivität. Weitere Informationen zum Lauf findet ihr auf: http://www.hermann-nightrun.de.