Nach 7 1/2 Tagen laufen, ist nun (endlich/leider) Halbzeit des Spendenlaufs zum Nordkap. Von den 2700 km haben wir bereits ca. 1650 km zurückgelegt. 220 km gehen davon auf mein Konto. Es ist ein super Zeitpunkt um einmal das bisher Erlebte zu resümieren.

Am 24. Juni 2016 fiel pünktlich um 11 Uhr der Startschuss für den 2700 km langen Spendenlauf vom Timmendorfer Strand bis zum Nordkap. Damit hatte die lange Vorbereitungszeit endlich ein Ende und die tagelange Lauferei konnte losgehen. Unter den Klängen des Shanty Chors und mit viel Regen von oben wurden wir am Timmendorfer Strand auf die Reise geschickt. Der Spendenlauf wird als Staffellauf durchgeführt:  gleichzeitig läuft immer nur ein Läufer unter Begleitung eines Läufers auf dem Rad.

Das erste Zwischenziel der langen Reise war ein Gasthaus in Kiel, das wir gegen 19 Uhr erreichten. Neben den 2 gemeinsamen Auftaktkilometer beim Start mit der gesamten Gruppe machte ich an diesem Tag meine ersten 19 km. Die Etappe führte uns in ein Gasthaus in Kiel. Der Förderverein zur Unterstützung krebskranker Kind hatte uns zu einer deftigen Gulaschsuppe eingeladen. Der Verein kooperiert mit der Elternhilfe für das krebskranke Kind Göttingen e.V., für den wir die Spenden sammeln. Auf meiner ersten Etappe begleiteten mich zwei sympathische Läufer des Fördervereins. Wir kamen schnell ins Gespräch und redeten auch darüber in welcher Verbindung sie zu der Elternhilfe stehen. Ein Mitläufer war als Kind selbst von Leukämie betroffen und  hatte den Kampf gewonnen. Er berichtete mir wie wichtig die Hilfe durch das Elternhaus in dieser schwierigen Phase für ihn war. Bei der Gulaschsuppe in Kiel schnappte ich eine weitere Geschichte eines Mitläufers aus Göttingen auf. Sein Sohn hatte leider den Kampf gegen Leukämie verloren, aber er hob lobend hervor, dass es wichtig ist Elternhäuser zu erhalten und das Angebot auszubauen, um Familien und Kindern die schwierige Zeit zu erleichtern.

Meine zweite Etappe an dem Tag war eine Nachetappe. Auf die Nachtetappen hatte ich mich im Vorfeld besonders gefreut, da sie mir die Möglichkeit bieten mich auf meine kommenden geplanten Wettbewerbe vorzubereiten. Ich wechselte kurz vor Flensburg mit meinem Partner. Zunächst ging es über dunkle Landstraßen Richtung Flensburg.In Flensburg lief ich gegen 1:30 Uhr durch die noch gut belebte Fußgängerzone.  Mein Partner und ich überlegten kurz, ob wir nicht einfach der Musik folgen und uns ins Flensburger Nachtleben stürzen sollten. Da wir dann wahrscheinlich nach kurzer Zeit wegen unseres Sportlerdresses und dem dazugehörigen Geruch die einzigen auf der Tanzfläche wären, verabschiedeten wir uns schnell von dieser Idee. Das Ziel der Etappe war die deutsch-dänische Grenze. Dieser überlief allerdings das nächste Läuferpaar. In den weiteren Nachtstunden hatte ich die Möglichkeit mich kurz zu erholen.Mehr als kurze Nickerchen waren aber nicht drin, denn zwischen den Etappen fuhr das Wohnmobil und das Begleitfahrzeug weiter. Entgegen der Befürchtungen bieten uns die Fahrzeuge viel Platz und auch die Betten sind sehr bequem. Mehr als 2-3 Stunden Schlaf am Stück ist aber selten möglich.

Die ersten Tage des Spendenlaufs verliefen eher holprig und es kam zu einigen Fehlkommunikationen. Dabei verliefen sich auch einige Läufer, aber wir konnten sie alle noch  einfangen. Entsprechend war die Stimmung im Team ein wenig gedämpft und  ich fragte mich, ob das wirklich alles gut ausgehen würde. Erste Zweifel machten sich breit. Wie bei jedem Laufwettkampf auch, hoffte ich auf bessere Zeiten.

Nachdem wir von Freitag auf Samstag die deutsch-dänische Grenze überquerten liefen wir den ganzen Samstag durch Dänemark. An diesem Tag lernte ich, was es bedeutet an einem Spenden-Staffellauf teilzunehmen:

  • kilometerweises geradeaus Laufen auf Landstraßen
  • Überwiegendes Asphaltlaufen
  • Laufen bei jedem Wetter
  • Nudeln und Haferbrei Essen zu jeder Tages- und Nachtzeit

Da ich nach 7 Tagen laufen mittlerweile ein wenig das Zeitgefühl verloren haben und nicht mehr alles wiedergeben kann, möchte ich zum Abschluss noch von einem für mich einprägsamen Moment des Spendenlaufs berichten. In der Nacht von Sonntag auf Montag hatte ich mir gegen Mitternacht wieder eine Nachtetappe von ca. 20 km ausgesucht. Eigentlich ging es dabei wieder einmal nur geradeaus auf einer großen Landstraße. Es regnete auf dieser Etappe mal wieder. Als Absicherung begleitete mich der Radfahrer und unser Begleitfahrzeug fuhr im Schritttempo mit Warnblincklicht hinter uns  her. Das verschaffte mir ein wenig mehr Gefühl von Sicherheit. Die LKWs die auf diese Straße mit 100 km/h unterwegs waren, bremsten so ab und fuhren im langsameren Tempo an uns vorbei. Um mich auf andere Gedanken zu bringen, hatte ich mir einen Mp3-Player mitgenommen. Schnell kam ich in einen guten Laufrhythmus und war mit einer Pace von ca. 4:30 Minuten/Kilometer flott unterwegs. Ich begann über die bisherigen Ereignissen des Spendenlaufs nachzudenken und fragte mich zu diesem recht frühen Zeitpunkt, warum ich mir das in überhaupt antue und warum ich nachts einsam durch die Nacht laufe. Ich begann über die Geschichte des betroffenen Vaters nachzudenken, der seinen Sohn durch Leukämie verloren hat und wusste, dass es genau richtig ist, meine Leidenschaft, das Laufen, dafür zu nutzen, um den Menschen in dieser schwierigen Zeit zu helfen.

Ich würde mich freuen, wenn ihr mich dabei unterstützt und eine kleine Spende auf das Spendenkonto überweist. Informationen findet ihr unter www.spendenlauf-nordkap.de/spende

Achja, rückwärtslaufen gibt es ja auch noch. Zwischendurch absolviere ich natürlich auch einzelne Abschnitte rückwärts. Dies mache ich haupstächlich um mal eine andere Belastung auf die Kinie zubekommen, die durch das ganze Asphaltlaufen schon ziemlich gereizt sind. Meine Chancen den Titel bei der WM im Juli (www.retrorunning2016.com) zu verteidigen, stehen aber nicht so gut. Der Spendenlauf ist doch eine ganz schön große Belastung für den Körper. 2-3 Läufe am Tag und wenig wirklich erholsame Zeit zwischen den einzelnen Läufen, sind nicht gerade die beste Vorbereitung.

Weitere Informationen und akutelle Berichte zum Spendenlauf findet ihr auf www.spendenlauf-nordkap.de und unter www.facebook.com/spendenlaufnordkap

Ein kleines Video habe ich auch für unseren prominenten Laufpaten Dieter Baumann erstellt. Ihr könnt es euch hier ansehen.

Wenn ihr meine Läufe mitverfolgen möchte, schaut doch mal bei meinem Strava-Profil vorbei.